Fatehpur Sikri – „Stadt des Sieges“

Fatehpur Sikri – „Stadt des Sieges“

Die Stadt Fatehpur Sikri ist eine Gründung des  Mogulkaisers Akbar (1542-1605) und liegt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Akbar hatte die Stadt aus Dankbarkeit dem Heiligen Sheikh Salim gegenüber gegründet und hatte auch seine Residenz von  Agra hierher verlegt, weil Salim ihm die Geburt eines Sohnes prophezeit hatte. Bei Salim, der einem von dem persischen Mystiker Muin ad-Din Hasan Chishti gegründeten Orden angehörte, hatte  Akbar voller Verzweiflung  spirituellen Rat gesucht, weil bisher keine seiner drei Ehefrauen (eine Christin, eine Hindufrau und eine Muslimin)   Akbar den ersehnten Sohn hatte schenken können. Als  bald darauf  die Hindu-Gattin  einen Sohn zur Welt brachte, gründete Akbar aus Dankbarkeit die Stadt und nannte sie Fatehpur Sikri -„Stadt des Sieges“ -, nachdem er im Jahre 1753 Gujarat besiegt hatte. Aber  lange hatte er es hier nicht ausgehalten: nach nur 15 Jahre gab er den Palast als Regierungssitz wieder auf und liess sich nun in Lahore nieder. Einerseits soll Wassermangel ein Grund für diesen Entschluss gewesen sein, andererseits waren aber auch strategische Überlegungen ausschlaggebend, da Akbar von Lahore  aus besser gegen die vom Norden her kommenden Invasoren operieren konnte.

Akbar war eine eigenwillige Persönlichkeit gewesen und gilt als der fähigste der Mogulherrscher. Obwohl – angeblich – Analphabet, liess er bedeutende hinduistische Texte ins Persische übersetzen, ausserdem war er von grosser Toleranz gegenüber fremden Religionen. Beweis für seine Eigenwilligkeit ist u. v. die Anlage von Fatehpur Sikri,  bei deren Bau in keiner Weise die auf Symmetrie ausgerichteten Regeln  der islamischen und hinduistischen Architektur berücksichtigt wurden. Die Anlage besteht aus einem Palast und einer Moschee. Der Palastkomplex ist von einer 11 km langen Mauer umschlossen und besteht aus Hallen und Gebäuden (Wohnpalast, Audienzhalle, Haremskomplex u. v.), die  in einer weitläufigen Hofanlage liegen. Das Baumaterial ist roter Sandstein.

Durch das so genannte Siegestor verlässt man den Palastbezirk und gelangt zu der unmittelbar neben dem Palast liegenden Freitagsmoschee. Im Gegensatz zum Palastbezirk ist der Platz vor der Moschee öffentliches Gelände, d.h.  Besucher befinden sich hier auf „freier Wildbahn“ und sind dem Ansturm von Souvenirverkäufern und Bettlern, welchen der Zutritt zum Palastbezirk verwehrt ist, hilflos ausgesetzt:   Ramsch aller Art, billiger Schmuck, Postkarten, aus Kamelknochen geschnitzte Elefanten, hölzerne Kamele, Götterfiguren und sonstiger Plunder werden den Touristen vors Gesicht gehalten – teilweise werden diese Dinge von schrecklich verkrüppelten Menschen angeboten. Die Aggressivität der Händler ist  unbeschreiblich und erstickt  jegliche Bereitschaft, aus purem Mitleid den Leuten etwas abzukaufen.

Die Moschee ist ein  klassischer Vier-Iwan-Bau nach persischem Muster. Im Innenhof hatte Akbar das Mausoleum für den Heiligen Selim errichten lassen, das als einziges Gebäude in ganz Fatehpur Sikri aus weissem Marmor erbaut ist. Am Kenotaph beten auch heute noch kinderlose Frauen und hoffen, dass auch ihnen das Wunder  widerfährt, das einst Akbars Ehefrau widerfahren ist. An der Moschee selbst sind rechts vom Hauptbogen die berühmten Verse angebracht, in welchen Akbars Toleranz und seine Hinwendung zum Mystizismus zum Ausdruck kommen – gegen Ende seines Lebens hatte sich Akbar vom Chishti-Orden distanziert und eigene religiöse Vorstellungen entwickelt. Über  dem Haupttor der Moschee – Buland Dawarza – sind Koranverse eingemeisselt, deren Inhalt den wahren Weg zum Paradies weisen.