Saladin, Nur ad-Din, Baibars: Monumente dieser Herrscher in Damaskus

Saladin, Nur ad-Din, Baibars: Monumente dieser Herrscher in Damaskus

In Damaskus erinnern zahlreiche Monumente an bedeutende Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit  das Land geprägt haben.

Sultan Saladin

Nicht weit von der Moschee entfernt befindet sich das Mausoleum des Sultans Saladin. Saladin (1138-1193) war der Sohn eines kurdischen Militärführers und Begründer der Ayyubiden-Dynastie. Er  war einer der grossen Kontrahenten der Kreuzritter: 1187 konnte er ihnen Jerusalem entreissen. Ursprünglich war er in der Zitadelle von Damaskus beigesetzt worden, sein Leichnam wurde aber später in das von seinem Sohn Malik al-Aziz Uthman errichtete Mausoleum, ursprünglich die Aziziya-Medrese, überführt. Der quadratische Raum mutet recht bescheiden an. Zwei Sarkophage stehen in diesem Raum: ein Holzsarkophag und eine Marmorsarkophag. Im Holzsarkophag, der durch einen Glaskasten geschützt wird, ruhen die sterblichen Überreste von Saladin. Auffallend ist die Ausstattung des Sarkophags: über den Sarkophag ist ein Tuch gebreitet, unter welchem sich am Kopfende des Sarkophags die Konturen eines Turbans abzeichnen – ein Hinweis darauf, dass es sich beim Verstorbenen um einen bedeutenden Mann gehandelt hat. Daneben befindet sich der Marmorsarkophag, ein Kenotaph, den der Osmanen-Sultan Abdulhamid II. (reg.1876-1909) aufstellen liess. Kaiser Wilhelm II., der sich 1898 in Damaskus aufhielt und auch dem Mausoleum einen Besuch abgestattet hatte, war für die Renovierungskosten der damals verfallenen Grabanlage aufgekommen. Sie gilt immer noch als Sakralbau – Besucher müssen ihre Schuhe ausziehen.

Sultan Baibars

Nahe bei der Omayyaden-Moschee liegen auch zahlreiche Monumente aus mamlukischer Zeit (1250-1516). Hervorragende Bauleistungen aus dieser Zeit sind die Medresen, theologische Lehranstalten mit Wohn- und Beträumen. Teilweise fanden auch die Stifter solcher Medresen in diesen Monumenten ihre letzte Ruhestätte. Im Bautypus der Medrese sind Elemente aus der persischen Architektur – sogenannte Iwane – mit der traditionellen syrischen Architektur verbunden. Der Begriff „Iwan“ ist ursprünglich die Bezeichnung für eine Halle, aus der sich in der islamischen Architektur eine von einem Tonnengewölbe überdachte Nische entwickelte, die nach einer Seite geöffnet ist. Hervorstechendes Merkmal der syrischen Architektur ist der Ablaq, ein zweifarbiger, ornamentaler Steinwechsel von dunklem Basalt und hellem Sandstein.

In der Nähe des Mausoleums für Sultan  Saladin  steht auch die Grabmedrese des Mamluken-Sultans az-Zahir Baibars, die Medrese Zahiriya. Baibars (1223-1277), ein ausserordentlich tapferer Heeerführer, war zu grossem Ansehen gelangt. Herausragendes Ereignis seiner Laufbahn ist der Sieg über Hülagü, einen Enkel des Dschingis-Khan. Baibars war es gelungen, Damaskus von der mongolischen Belagerung zu befreien und das Heer des Hülagü zurückzuschlagen. Er wurde zum Sultan ernannt und eroberte in zahlreichen Kriegszügen viele Bastionen der Kreuzritter zurück. Ursprünglich war er auf der Zitadelle von Damaskus beigesetzt worden, sein Nachfolger as-Said Baraka Khan liess jedoch für ihn ein Mausoleum errichten, das später in eine Medrese umgebaut wurde. Hier fand Baibars seine letzte Ruhestätte. Die Zahiriya-Medrese ist die am reichhaltigsten dekorierte Medrese. Ihre Architektur orientiert sich stilistisch an den 500 Jahre früher erbauten Monumenten der Omayyaden und fügt sich ideologisch in das Programm der „Gründerdynastie“ der Omayyaden ein. Die Medrese ist heute ein Profanbau.

Sultan Nur ad-Din

Der Bau der Adiliya-Medrese, nahe beim Grabmal des Saladin gelegen, war von Sultan Nur ad-Din in Auftrag gegeben worden, aber erst einige Jahre nach dessen Tod vollendet worden. Nur ad-Din war einer der grossen Herrscher des syrischen Mittelalters. Er entstammte der strenggläubigen Dynastie der Zengiden (12. Jahrhundert) und hatte im Kampf gegen die Kreuzritter diesen schwere Niederlagen beigebracht. Unter seiner Regierung erfuhr die islamische Kunst wesentliche Impulse: aus der persischen Architektur wurden die Bauform der Iwan-Halle und das Stilelement Muqarna übernommen.

Damaskus verdankt Nur ad-Din auch eines seiner bedeutendsten Bauwerke: ein Krankenhaus – Bimaristan Nuri, das 1154 errichten wurde. Heute beherbergt das Gebäude ein Museum für arabische Medizin und Wissenschaft und ist öffentlich zugänglich. Im Zentrum des Gebäudekomplexes liegt ein quadratischer Innenhof mit Springbrunnen und Blumenbeeten, von wo aus man die einzelnen Räume des Spitals betreten konnte. Ausserdem sind drei Iwane vorhanden, in welchen man sich je nach Sonnenstand aufhalten konnte. Dort wurde auch das medizinische Wissen vermittelt: die Studenten sassen zu Füssen ihrer Meister und lernten das Vorgetragene durch Memorieren auswendig. Diese Lehr- bzw. Lernmethode ist die noch heute übliche arabische Lernmethode, die sich jedoch nachteilig auf die eigene Denkkreativität auswirkt. Die arabische Medizin dieser Zeit kannte bereits Spezialabteilungen (Chirurgie, Psychiatrie), auch hatte man gewisse Vorstellungen von geheimnisvollen Krankheiten, die man nicht diagnostizieren konnte – Virusinfektionen:   es gab eine Art Isolierstation. Eine eigene Apotheke war ebenfalls vorhanden. Ein witziges Exponat: für den Fall, dass jede ärztliche Kunst versagt, stellte man den Patienten ein Hemd zur Verfügung, auf dessen Vorderseite ein Koranvers geschrieben ist – da hilft nur noch Beten!

 

1172 stiftete Nur ad-Din auch ein Badehaus, den Hammam Nur ad-Din. Badeeinrichtungen gehörten seit omayyadischer Zeit zu den gängigen Einrichtungen der islamischen Welt. Die Benützung dieses Dampfbades war ausschliesslich Männern vorbehalten und war nicht kostenlos; der Erlös floss wohltätigen Zwecken zu. Im Laufe der Zeit war der Hammam verfallen, zwischenzeitlich hatte man darin eine Seifenfabrik untergebracht, aber 1975 liess die syrische Antikenverwaltung das Badehaus restaurieren und nun wird es wieder rege genutzt.

Asad al-Azem

Karawansereien spielten in Damaskus eine wichtige Rolle. Sie waren eine Art Herberge für reisende Händler, wo diese ihre Waren lagern und verkaufen konnten, Geschäfte abschliessen und auch während der Zeit ihres Aufenthaltes in der Stadt wohnen konnten. Eine Karawanserei war meist ein zweigeschossiges Gebäude mit einem von Arkaden umschlossenen Innenhof. Vom Hof aus gelangte man in die Lagerräume bzw. Wohnräume. In Damaskus sind viele Khane – mit diesem aus dem Persischen stammenden Wort werden Karawansereien in Syrien bezeichnet – verfallen oder wurden neuen Zwecken zugeführt. Eine Ausnahme bildet der prächtige Khan Asad Pascha. Man betritt den Khan durch ein schönes Tor mit Stalaktitengewölbe. Im quadratischen Innenhof steht ein schöner Springbrunnen und vier mächtige Pfeiler teilen den Hof. Besonders eindrucksvoll ist hier die Wirkung des Ablaq: sehr heller, fast weisser Sandstein und dunkler Basalt. Der Khan war von Asad al-Azem erbaut worden. Azad al-Azem war ein Abkömmling der Azem-Familie, die eine wichtige Rolle in Damaskus im 18. Jahrhundert gespielt hatte. Er hatte ab 1743 das Amt des Gouverneurs von Damaskus inne und war pflichtbewusst seinen Geschäften nachgekommen. Aber er war in Ungnade gefallen und abgesetzt worden. Danach war es in Damaskus zu Aufständen gekommen, der Sultan hatte seinen Ex-Gouverneur als Urheber der Aufstände verdächtigt und ihn im Badehaus erwürgen lassen.

Leider durfte man nicht fotografieren – ein aufmerksamer Wächter passte auf, damit dieses Verbot auch ja eingehalten wurde.

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