Jodhpur: Jaswant Thada und Mehrangarh ?>

Jodhpur: Jaswant Thada und Mehrangarh

Die Stadt Jodhpur wurde 1459 von dem Clan der Rathor, einer Fürstendynastie aus Rajasthan, als Haupstadt des Reiches Marwar und Sitz der Residenz gegründet. Die Stadt erhielt aufgrund der blau gestrichenen Häuser der Brahmanen-Familien den Beinamen „Blaue Stadt“. Ein Blick über die Stadt bestätigt, dass tatsächlich die meisten Häuser  blau gestrichen sind, im Gegensatz dazu sind diejenigen der Moslems  grün gestrichen.

Oberhalb der Stadt befindet sich die Gedenkstätte für das Geschlecht der Rathor – Jaswant Thada. Pavillons in verschiedenen Grössen und Ausstattungen stehen an den Stellen, wo Familienangehörige des Clans oder hohe Würdenträger des Reiches nach ihrem Tod verbrannt wurden.  Das marmorne Hauptgebäude  ist das besonders prunkvoll ausgestattete und in barockem Moslem-Hindu-Mischstil errichtete Monument für Jaswant Singh II. (gest. 1895). Darum herum gruppieren sich kleinere Pavillons,  so genannte Chhattris.

Die Hindus bestatten ihre Toten nicht in Gräbern, sondern verbrennen sie, was wegen des Klimas  sehr schnell geschehen muss. Danach wird die Asche von Verwandten zum Ganges gebracht und in den Fluss gestreut, wobei es völlig unwichtig ist, wo der Verstorbene gelebt hat. Die Leute reisen aus weit entfernten Gegenden zum Ganges. Neuerdings ist es gestattet, dass die vier obersten Brahmanen-Priester auch einen anderen grossen Fluss  für dieses Ritual bestimmen können, aber fromme Hindus bringen die Asche ihrer Familienangehörigen immer noch zum Ganges. Die Verbrennungszeremonie wird nur am Tage durchgeführt und von dem ältesten männlichen Mitglied einer Familie geleitet. Wenn der Tote unter 60 Jahre alt ist, dürfen Frauen bei diesen Zeremonien nicht anwesend sein, da sie  durch ihr Weinen und Klagen die Zeremonien und dadurch den Frieden des Toten stören.  Für die Befreiung der Seele ist die Zeit unmittelbar nach dem Sterben  die wichtigste Zeit und darf nicht durch Lärm gestört werden – Weinen und Klagen sind bei der Begräbniszeremonie  ein absolutes Tabu. Die Männer schneiden sich bei einem Todesfall oft die Haare ab, wenn ein Hundertjähriger stirbt, wird manchmal ein Fest veranstaltet. Für die Verbrennung eines normalen Körpers werden etwa 400 kg Holz benötigt, ausserdem   Butter als zusätzlicher Brennstoff. 48 Stunden nach der Verbrennung wird die Asche in einem Gefäss gesammelt. Das Oberhaupt einer Familie ist immer die älteste männliche Person und trägt als Zeichen seiner Würde einen weissen Turban. Priester tragen gelbe Turbane und Angehörige der Kriegerkaste grüne. Der Sik-Turban, der blau ist, unterscheidet sich von den übrigen Turbanen durch die Turbanbindung. Die Engländer hatten feinfühlig den Turban zu einem Teil der Dieneruniform degradiert! Die Sitte der Witwenverbrennung existiert seit etwa dem 12. Jahrhundert und ist Ausdruck der Verzweiflung der verwitweten Frauen, die früher durch den Tod ihrer Ehemänner in eine absolut rechtlose Situation gerieten. Einerseits brachte die Moslemherrschaft viel Unglück über verwitwete Hindufrauen – sie wurden verachtet und gedemütigt,  andererseits waren sie auch schutz- und rechtlos  der Willkür von Söhnen und Enkeln ausgesetzt. Um diesem unerträglichen Schicksal zu entgehen, sahen die Witwen oft keine andere Möglichkeit als ihren Ehemännern in den Tod zu folgen.  Allerdings durfte eine Witwe nicht zusammen mit der Leiche ihres verstorbenen Mannes auf dem gleichen Scheiterhaufen verbrannt werden. Heute ist die Witwenverbrennung gesetzlich verboten.

Hoch  über der Stadt Jodhpur erhebt sich die Festung Mehrangarh. Die Region um Jodhpur diente der Rathor-Dynastie als Rückzugsgebiet,  nachdem Iltutmish, der Schwiegersohn des Qutb ud-Din Im Jahre 1212 den Rathor-Clan besiegt und aus Delhi vertrieben hatte. Die Festung thront auf einem 125 m Fels über der Stadt und besteht aus mehreren Palästen mit Innenhöfen und Wohngebäuden, sie ist eigentlich eine ganze Stadt. Die Anlage ist von einer grossen Umfassungsmauer umschlossen und mit zahlreichen Bastionen versehen.  Über einen steilen Weg  gelangt man durch fünf verschiedene Tore in das Fort. Gleich nach dem Durchgang des letzten Tores ist eine Tafel mit den Handabdrücken von Ehefrauen angebracht, die sich beim Tod ihrer Männer ebenfalls verbrennen liessen. Besichtigt werden können Privaträume der ehemaligen Bewohner sowie ein Museum, in welchem wahllos verschiedene Gegenstände    ausgestellt sind: Sänften, Ketten für Elefanten, etc. Sehr schön ist ein Raum mit Miniaturen.  Der Mogul-Kaiser Nasir ud-din Muhammad Humayun hatte, nachdem er aus seinem zehnjährigen persischen Exil zurückgekehrt war und in seinem Gefolge zahlreiche Künstler mitgekommen waren, auf der Festung eine später berühmte Malschule gegründet. Die Malerei, besonders die Miniaturenmalerei,  erreichte eine grosse Blütezeit, wovon die in diesem Raum ausgestellten Bilder beredtes Zeugnis ablegen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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