Jaisalmer: eine Stadt am Rande der Wüste Thar

Jaisalmer: eine Stadt am Rande der Wüste Thar

Die Stadt  Jaisalmer liegt am Rande der Wüste Thar. Auch diese Region war Rückzugsgebiet der Rajputen gewesen, als sie von   islamischen Invasoren bedrängt wurden. 1155 hatte der Herrscher Jaisal auf einem Felsrücken nahe der Wüste Thar  eine Festung  errichten lassen, um die herum allmählich eine Stadt wuchs. Der Name Jaisalmer leitet sich vom Namen des Herrschers und dem Wort für Fels „mer“ ab: Jaisal auf dem Fels. Die Festung ist die zweitgrösste in Rajasthan und gleicht eher einer Stadt als einer Befestigungsanlage.

Südlich der Stadt liegt der künstlich aufgestaute Garisar-See. Hier ergötzten sich im 18. und 19. Jahrhundert  wohlhabende Bürger. Beim Zugang zum See hatte sich eine wegen ihrer Schönheit berühmt gewordenen Kurtisane ein Haus bauen lassen, wogegen  manch ein Besucher  des Sees Beschwerde eingelegt hatte und verlangte, dass das Haus wieder abgerissen werde. Daraufhin liess die Dame einen Hindu-Tempel auf das Dach des Hauses bauen, und dagegen konnte nun niemand mehr protestieren.

Ganz in der Nähe des Sees gibt es ein kleines Folkloremuseum. Der Gründer und Verwalter des Museum hat alle Gegenstände selbst zusammengetragen. Besonders hübsch ist ein Zaumzeug für ein Kamel, das eine Frau für das Kamel ihres Mannes geknüpft hat, der mit einer Karawane eine weite Handelsreise unternehmen wollte. Hübsch ist auch die Geschichte, die der Verwalter des Museums dazu erzählt:  früher war es Sitte gewesen, dass beim Aufbruch einer Karawane die Ehefrau eines Handelsherrn dessen Kamel  mit einem schönen  Zaumzeug ausstaffierte und das Kamel auch persönlich aufzäumte.  Die Frau, die das hier ausgestellte Zaumzeug geknüpft hat,  soll beim Aufbruch ihres Mannes dem Kamel  ein Lied vorgesungen und ihm versprochen haben, dass es diesen schönen Schmuck behalten darf, wenn es ihren Mann wieder heil und gesund nach Hause zurückbringt!

Unterhalb der Stadtmauer liegt der Platz, wo die Toten auch heute noch verbrannt werden. Wer sich kein aufwändig gestaltetes Chhattri leisten kann, begnügt sich mit einem Steinsockel. Die Verbrennungsstätte der Herrscher von Jaisalmer – Bada Bagh – liegt jedoch  in der Wüste.

Die Festung von Jaisalmer – Raj Mahal – ist im Grunde eine ganze Stadtanlage mit Regierungs- und Wohnpalast sowie Wohngebäuden. Der Zugang zur Festung führt durch drei grosse Tore.  Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Jaisalmer sind die über die ganze Stadt verstreuten Havelis – prachtvolle  Häuser reicher Kaufleute aus dem 19. Jahrhundert. Die  Havelis waren zugleich Wohn- wie auch Handelshäuser. Besonders reich sind die Fassaden dieser Häuser gestaltet. Wichtigstes Architekturelement sind die Balkone mit durchbrochenen Steingittern.  Die Leute hier pflegen  die  Türen ihrer Häuser mit einem Gebinde aus sieben Pfefferschoten und einer Limone als Glücksbringer zu schmücken. Nach einer Woche wird der Glücksbringer entfernt und achtlos weggeworfen, das Gebinde wird durch ein neues ersetzt, und man hofft auf neues Glück.

Innerhalb der Befestigungsanlage befinden sich auch mehrere Jain-Tempel. Immer wieder begegnet man Sadhus, „heiligen Männern“, die durch ihre asketische Lebensweise hoffen, dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu entrinnen und dadurch die Erlösung ihrer Seele zu gewinnen.