Rajasthan – Tempel, Mausoleen, Paläste ?>

Rajasthan – Tempel, Mausoleen, Paläste

028_29 - Delhi - Mausoleum des Safdar Jang (Gouverneur, 1739-1754)Rajasthan ist einer der 28  Bundesstaaten Indiens und liegt  im Nordwesten des indischen Subkontinents. Über die Frühgeschichte Indiens ist wenig bekannt, einigermassen verlässliche Quellen gibt es erst seit den Feldzügen Alexander des Grossen. Zwar können in diesem geographischen Raum Siedlungsspuren bis zur bronzezeitlichen Indus-Kultur (Harappa-Kultur, zwischen 3000 und 2000 v. Chr.; benannt nach einem Dorf im heutigen Pakistan) nachgewiesen werden, aber da diese Kultur  ziemlich abrupt verschwand  und    bis heute   noch wenig erforscht ist, liegt  aus der vor- und frühgeschichtlichen Zeit  dieses geografischen Raums noch Vieles im Dunkeln.

Um 1500 v. Chr. wanderten aus der zentralasiatischen Steppe  arische Stämme in das Gebiet des heutigen Rajasthan ein. Sie brachten nicht nur eine neue Kultur, sondern auch eine neue Religion (Hinduismus). Diese neue Religion räumte den Priestern (Bramahnen) eine absolut vorrangige Stellung innerhalb der Gesellschaft ein und sollte prägend werden für die weitere kulturelle Entwicklung Indiens. Die Einwanderer bildeten zunächst kleine Siedlungen, bekämpften sich aber ständig. Diese Uneinigkeit der einzelnen Clans erwies sich später im Kampf gegen die Moslems als äusserst verhängnisvoll, da dadurch die politischen Kräfte verzettelt wurden, und die Hindus dem übermächtigen Gegner keine wirkungsvolle Gegenwehr leisten konnten. Erst um 500 v. Chr. entstand im Norden Indiens ein erstes Grossreich.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. setzte auch die Erneuerung des religiösen Lebens ein. Die Glaubensinhalte der hinduistischen Religion waren erstarrt, und das religiöse Leben war dem Diktat der Brahmanen unterworfen. Der Wunsch nach Reformen  und das Bedürfnis, die hinduistischen Lehren mit neuem Gedankengut zu füllen, führten zur Entstehung des Jainismus, dessen Stifter Vardhamana war. Wie auch im Hinduismus ist das Ziel dieser Religion, den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen. Durch Askese, durch die Loslösung von allem Materiellen und im Extremfall durch  Fasten bis zum Tode soll dieses Ziel erreicht werden. Neues Gedankengut floss in die Reformbewegung ein: die pflegliche Behandlung der Erde und der Lebewesen (in Delhi  unterhalten die Jains ein Spital für Tiere). Ein wesentlicher Grundsatz dieser Religion ist das Gebot des Nichttötens – ganz Fromme tragen einen Mundschutz, damit sie nicht versehentlich ein Insekt einatmen. Der Weg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten wird durch die so genannten „Furtbereiter“ gewiesen, von denen Vardhamana, der später  Mahavira (grosser Held) genannt wurde, der 24. und bisher letzte ist. Die Gläubigen verehren keine Götterbilder, sondern eine Kultstatue des Furtbereiters, die sich im Allerheiligsten des Tempels befindet und die zu fotografieren absolut verboten ist.  Die Götter des hinduistischen Pantheons spielen im Jainismus keine Rolle. Etwa zur gleichen Zeit verbreiteten in Persien Ahura Mazda und Buddha in Indien ihre neuen Religionen.

Mit dem Beginn der  Eroberungszüge der Moslems seit der Mitte des 8. Jahrhunderts begann auch der Islam in Indien eine Rolle zu spielen. Die von Norden her kommenden Sarazenen bedrohten immer wieder die Grenzen Indiens, und im Jahr 1192 gelang es Mohammed von Ghur das Hinduheer zu schlagen. Die Muslimherrschaft in Indien begann,  Hinduheiligtümer wurden brutal zerstört, und der Islam als neue Religion etablierte sich.  Der uralte Konflikt zwischen Islam und Hinduismus ist dermassen tief im Land verwurzelt, dass es nicht verwunderlich ist, dass religiöse Spannungen auch heute noch immer wieder Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Angehörigen dieser beiden Religionen geben. An den Endungen der Namen von Städten kann man übrigens erkennen, ob es sich bei einer Stadt um eine islamische oder hinduistische Gründung handelt: die Endung –pur weist auf eine hinduistische Gründung (Jodhpur), die Endung –abad auf eine islamische (Hayderabad). Das Wort Indien bedeutet „das Land, wo alles im Überfluss vorhanden ist“.