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Topkapi Serail

Der Topkapi-Palast ist die ehemalige Residenz der osmanischen Sultane. Er liegt auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Goldenen Horns am Bosporus und war ungefähr 400 Jahre lang Residenz und Regierungssitz der Sultane. Der Eroberer Konstantinopels, Mehmed II., hatte hier zunächst seinen Verwaltungssitz errichten lassen, seinen Wohnpalast   war auf dem Areal der heutigen Universität erbaut worden. Erst Süleyman der Prächtige verlegte auch seinen privaten Wohnsitz hierher, liess einen Harem anbauen und seither war der Palast auch privater Wohnsitz aller Sultane. Der Name Topkapi Sarail – Kanonentor-Palast  – rührt von einem von zwei Kanonen flankierten Tor, das sich ehemals auf dem Gelände befand, von dem aber nichts mehr erhalten ist. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Palast immer wieder erweitert  und erneuert. Vier Höfe umgeben den Palast, wobei der äussere Hof  heute ein Park ist, durch welchen man auch zur Irenen-Kirche beziehungsweise zum Archäologischen Museum gelangt. 

Vor dem Tor zum Topkapi-Komplex, dem Kaiserlichen Tor, befindet sich das von Sultan Ahmet III. im Jahre 1728 gestiftete Brunnenhaus.   Die ehemalige Irenen-Kirche, eine byzantinische Emporenbasilika aus dem 8. Jahrhundert, befindet sich im äussersten, einem parkähnlichen Hof der Palastanlage und diente nach der osmanischen Eroberung den Janitscharen als Waffendepot. Später wurde sie dem Archäologischen Museum angegliedert. Der Bau wurde in neuerer Zeit restauriert und wird wegen seiner hervorragenden Akustik als Konzerthalle genutzt. 

Durch das Tor der Begrüssung  gelangt man in den zweiten Hof des Palastbezirks. Zur rechten Seite befindet sich der ehemalige Küchentrakt, vom Baumeister Sinan erbaut, in welchem heute, wie in fast allen Räumen des Palastes, Sammlungen von Kunst- oder Gebrauchsgegenständen untergebracht sind. 

Auf der linken Seite des Hofes steht der Pavillon, in welchem der Oberste Rat des osmanischen Reiches unter der Leitung des Groswesirs tagte. Hinter einem vergitterten Fenster konnte der Sultan den Diskussionen des Rates lauschen.    

Vom zweiten Hof aus gelangt man auch zum Harem, dessen 259 Räumen allerdings nicht alle besichtigt werden können. Ein Rundgang durch die privaten Gemächer des Sultans stellt  einen Höhepunkt einer Besichtigungstour durch den Palast dar.  Der Weg führt zunächst an  Wohnräumen der Haremsdiener vorbei, die allesamt schwarze Eunuchen aus Afrika waren, dann durch die prächtig ausgestatteten Wohnräume des Sultans, durch die Wohnräume  der Sultansmutter und denjenigen der Prinzen, die im Harem völlig abgeschieden von der Aussenwelt aufwachsen mussten. Aus Angst vor Mordanschlägen, besonders im Zusammenhang mit Thronstreitigkeiten, musste ständig um deren Leben gefürchtet werden. Auch der Sultan musste immer auf der Hut sein – aus Sicherheitsgründen badete er in seinem Hamam  hinter Eisengittern.

Das Tor der Glückseligkeit führt zum dritten Hof – wenn man als Beamter oder Mitglied des Hofstaates bis hierher vorgelassen wurde, genoss man höchstes Ansehen oder das Vertrauen des Sultans, man befand sich gewissermassen  im Dunstkreis der Sultansgunst. Hinter dem Tor befindet sich ein Pavillon, der Thron- und Audienzsaal. 

Einen weiteren Höhepunkt des Rundgangs stellt der Besuch der so genannte Schatzkammer dar, wo  Schmuck und edelsteinbesetzte Gebrauchsgegenstände aller Art von unschätzbarem Wert ausgestellt sind.  Der Rundgang ist jedoch etwas qualvoll: damit sich die Touristenmassen  möglichst schnell an den Vitrinen vorbeischieben, ist der Gang längs der Vitrinen streng reglementiert. Sicherheitsbeamte wachen scharf darüber, dass niemand fotografiert, dass niemand zu lange stehen bleibt und dass sich die Besucherschlange ständig vorwärts bewegt. In den Räumen ist es finster, nur die Vitrinen sind erhellt, und es herrscht ein schreckliches Gedränge. Ob einem diese Anhäufung von Prunk und Protz gefällt, muss jeder selbst entscheiden,  aber staunen muss man alleweil über den unvorstellbaren Wert der ausgestellten Objekte, besonders ob dem 86karätigen so genannten Löffelmacher-Diamanten, der zu den 15 grössten Diamanten der Erde gehört. Um den Namen ranken sich verschiedene Legenden: eine besagt, dass der Finder des Steins dessen Wert nicht erkannte und ihn bei einem Löffelmacher gegen drei Löffel eintauschte. Danach wechselte er mehrfach den Besitzer, ohne dass die jeweiligen Käufer den wahren Wert des Steins erkannten. Schliesslich erwarb ihn Sultan Mehmed IV., liess den Stein schleifen und als Zeichen seiner Herrschaft in seinen Turban einnähen. 

Im   Pavillon des Heiligen Mantels, einer Art Reliquiensammlung, werden v. a. eine Bronzeplatte mit dem Fussabdruck Mohammeds aufbewahrt, ein paar Barthaare des Propheten sowie zwei seiner Schwerter  und anderes mehr. Auch hier ist Fotografieren strengstens verboten.

Ein beredtes Zeugnis von der hoch entwickelten Keramikproduktion im osmanischen Reich legen die   mit farbenprächtigen Fliesen verkleideten Mauern und Wände des Palastes sowie der  Wohn- und Aufenthaltsräume ab.  Zauberhaft sind die zahlreichen floralen und ornamentalen Muster der Kacheln. Zentrum der Keramikproduktion war Iznik, die antike Stadt Nicäa, wo sich nach der Eroberung von Täbriz durch Sultan Selim I. persische Töpfer  angesiedelt hatten, welche  die   seit dem 5. Jahrhundert in Persien gepflegte Keramikherstellung  zu einer eigenständigen Stilform weiterentwickelten.   

Der terrassenförmig angelegte Vierte Hof war zu Sultanszeiten für Fremde verschlossen und diente ausschliesslich dem Sultan und seiner engsten Entourage als Aufenthaltsort. Am äussersten Ende des Bezirks befindet sich der  Bagdad-Kiosk, den Sultan Murat IV. nach der Eroberung von Bagdad im Jahre 1638 erbauen liess, und   dessen  Terrasse einen grossartigen Blick auf das Goldene Horn gewährt.  

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