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Yazd – eine Stadt aus Lehmziegeln erbaut

Yazd ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, 1200 m hoch in einem flachen Tal gelegen und Zentrum der traditionellen Brokat- und Seidenherstellung – noch heute wird wegen der grossen Hitze, die im Sommer über der Stadt lastet, in unterirdisch angelegte Werkstätten gearbeitet. Die Gründung der Stadt wird Alexander d. Gr. zugeschrieben, aber in der Forschung herrscht über diesen Punkt Unklarheit. 642 eroberten die Araber die Stadt, im 10. Jahrhundert  soll Yazd schon eine reiche Handelsstadt gewesen sein, wie   Marco Polo berichtet.  In der Altstadt sind zahlreiche Gebäude aus Lehmziegeln erhalten,  ein Baumaterial, das auch noch heute  verwendet wird. Ursprünglich war die Stadt von einer Mauer umfasst, von der aber nur noch Teilstücke erhalten sind.

Yazd ist auch ein Zentrum der zoroastrischen Religionsgemeinschaft, die seit der Achämenidenzeit existiert und deren Begründer der Prophet Zarathustra ist. Die Griechen nannten Zarathustra Zoroaster, daher der Name Zoroastrier. Das heilige Buch der Zoroastrier ist die Avesta, die die wortgetreu niedergeschriebenen Botschaften des Ahura Mazda enthält und das Götterpantheon sowie Schöpfungsmythen beschreibt. Drei Viertel des Textes ging allerdings während der Eroberungszüge der Griechen, Araber und Mongolen verloren. Der heutige  Text  beruht auf einer Fassung aus dem 9./10. Jahrhundert. Zarathustra machte den  iranischen Gott Ahura Mazda, Verkörperung des Guten und des Lichts, zum allwissenden Schöpfergott und zum Chef des Pantheons, der bisherige Stelleninhaber Mithras musste abtreten. Nach zoroastrischem Verständnis ist es dem Menschen überlassen, sich für das Gute oder Böse entscheiden. Je nach seiner Entscheidung kommt der Mensch nach seinem Tod  in das Paradies oder in die Hölle. Feuer, Erde, Wasser und Luft sind den Zoroastriern heilig und müssen deshalb vor Verunreinigung geschützt werden, besonders das Feuer als Symbol des Guten und Reinen spielt eine grosse Rolle. Es darf nie verlöschen und muss ständig unterhalten werden. Um die vier Elemente vor Verunreinigung zu schützen, dürfen die Toten nicht in der Erde bestattet werden, da Leichen als unrein angesehen werden. Man vermutet, dass in vorislamischer Zeit  die Toten in  Steinsarkophagen beigesetzt worden waren, die man in hoch gelegene Felsen geschlagen hatte. Ab der islamischen Zeit wurden die Leichen auf ausserhalb der Stadt gelegenen Türmen den Geiern zum Frass ausgesetzt.  Nachdem die Gebeine von den Geiern   abgenagt worden waren,  wurden die Knochen wieder eingesammelt, mit Wachs behandelt und dann in kleinen Felshöhlen (studan) beigesetzt. 1970 verbot der Shah aus hygienischen Gründen diesen Totenkult, und seither müssen auch die Zoroastrier ihre Toten in Särgen auf Friedhöfen bestatten.  Die Toten werden nun in mit Asphalt ausgekleideten Särgen beigesetzt.

Der Feuertempel ist der zentrale Kultort der Zoroastrier. Er wurde um 1900 für die Religionsgemeinschaft in Yazd  von Glaubensbrüdern aus Bombay gestiftet. Das Feuer, das hier hinter einer Glasscheibe in der Vorhalle des Tempels brennt, ist ein „Ableger“ eines seit 700 Jahren brennenden Feuers. Es soll die Gläubigen bei ihrer Entscheidung für das Gute unterstützen, wenn sie hier ihre Gebete verrichten. In einem besonderen Ritual wird der ständige Unterhalt des Feuers durch eine für diesen Dienst auserwählte Person  vollzogen.

Die Tekiyeh Amir Chaqmaq ist eine Vier-Iwan-Moschee, von der nur noch die Fassade erhalten ist. Benannt ist sie nach Amir Djalal ad-Din Chaqmaq,  Gouverneur von Yazd im 15. Jahrhundert. Er hatte den Bau in Auftrag gegeben. Davor steht ein riesiges Holzgestell, ein Nakhl, das beim Ashura-Fest, an dem des Martyriums Husseins gedacht wird, mitgeführt wird.

Windtürme – „badgirs“ (persisch: Windfänger) – sind  eine architektonische  Besonderheit der Städte in den Wüstenrandzonen. Sie machen  durch ihre besondere Bauweise  das heisse Klima den Bewohnern dieser Gebiete erträglich. Die Türme befinden sich auf den Dächern der Häuser, die Schlitze in den Türmen fangen  selbst den leisesten Windhauch ein. Im Inneren der Türme wird die Luft durch Schächte geleitet und sinkt  beim Abkühlen in die darunter liegenden Räume. 

Die Freitagsmoschee stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber im 15./16. Jahrhundert vollständig restauriert. Der Portalbau ist vollständig mit Fliesenmosaik verkleidet, florale Muster und Schriftbänder zieren die Fassade; unter der Kuppel befindet sich der Gebetsraum mit dem Mihrab.