Iran – Persien: Achämeniden, Sassaniden, Islam

Iran – Persien: Achämeniden, Sassaniden, Islam

Seit Urzeiten bezeichnete die persische Bevölkerung ihr Land als Eran – Iran, in Europa hingegen wurde dieses von den Griechen „Persis“ genannte Staatsgebiet bis ins 20. Jahrhundert als Persien bezeichnet. Heute ist die Bezeichnung Iran allgemein üblich. Der moderne Staat Iran besteht aus zahlreichen Provinzen und grenzt im Norden an Armenien, Azarbaidschan und Turkmenistan, im Osten an Afghanistan und Pakistan, im Süden an den Persischen Golf und im Westen an Saudi-Arabien, an den Irak und an die Türkei. Die Bevölkerungsgruppen sind vielfältig, ebenso die Sprachgruppen. Etwa die Hälfte der iranischen Bevölkerung sind Perser. Die offizielle Amtssprache ist Persisch, das sich aus dem Altpersischen entwickelte und zur Indoarischen Sprachgruppe gehört. Seit der Ausbreitung des Islam wird Persisch in arabischer Schrift geschrieben. Das Kernland Persiens ist die Provinz Fars.

Bis etwa 10000 v. Chr. (Jungsteinzeit) lebten die Bewohner des iranischen Hochlandes in Höhlen  und beschafften sich  ihre Nahrung als Jäger und Sammler. Als diese Behausungen für die umfangreicher werdenden Sippen zu eng wurden, gaben die Bewohner diese Höhlen als Unterkünfte auf und begannen Lehm- und Schilfhütten zu bauen. Aus Sicherheitsgründen wurden diese Hütten auf höher gelegenen Hügeln errichtet. Ausserdem begannen die Menschen nun, ihre Nahrung selbst herzustellen, d.h. sie begannen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Aus unterschiedlichen Gründen zerfielen solche Siedlungen aber immer wieder – ihre Bewohner erlagen Krankheiten, Seuchen, kriegerischen Auseinandersetzungen oder wurden Opfer von Naturkatastrophen. Es kam häufig vor, dass Stammesgruppen, die auf der Suche nach einem günstigen Siedlungsort das Land durchzogen,  nun ihrerseits auf solchen Hügeln über den Relikten einer zerfallenen Siedlung eine neue Siedlung errichteten. Wiederholte sich ein solcher Prozess mehrmals, entstanden im Laufe der Zeit künstliche Hügel mit mehreren Siedlungsschichten – im Persischen „Tepe“ genannt (z. Bsp. Tepe Sialk, Susa). Die Kulturen, die sich im iranischen Hochland herausbildeten, weisen eine hoch entwickelte Handwerkskunst sowie hoch entwickelte künstlerische Ausdrucksformen auf, allerdings blieben sie bis zum 1. Jtsd. v. Chr. ohne eigene Schrift.

Im Gegensatz zu dieser schriftlosen Kultur des Hochlandes entwickelte sich im östlich angrenzenden Tiefland, in der Region Khuzistan, bereits im 3. Jtsd. v. Chr. eine frühe städtische Zivilisation. Es etablierte sich das Reich Elam mit einer klar strukturierten Verwaltung, weitreichenden  Handelsbeziehungen, hoch entwickelter Handwerkskunst und vor allem mit einer eigenen Schrift. In dieser Zeit wurde nach dem Vorbild der sumerischen Schrift ein eigenes Schriftsystem entwickelt. Die frühe Periode dieser Zivilisation (etwa ab 3000 v. chr. bis 2600 v. Chr.) wird als protoelamische Periode bezeichnet. Tontafeln mit elamischer Schrift wurden beispielsweise in Tepe Sialk gefunden. Die nachfolgende Zeit bis etwa 550 v. Chr. wird in drei weitere Epochen eingeteilt – die altelamische, die mittelelamische und die neuelamische Zeit. Zeitweise etablierten sich einheimische Dynastien, deren Könige den Titel „König von Susa und Anshan“ führten, und zeitweise wurde das Reich von mesopotamischen Königen regiert. In der neuelamischen Zeit führten Konflikte mit den Assyrern immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. 659 v. Chr. besiegte  der assyrische König Assurbanipal das elamische Heer, er zerstörte die Hauptstadt Susa und verschleppte die Bevölkerung, womit das elamische Reich sein Ende gefunden hatte.

Die Bevölkerung des Hochlandes musste sich ab 1250 v. Chr. mit nomadisierenden Reitervölkern, den Protoiraniern, die von Norden her kamen, auseinandersetzen. Diese Stämme wurden allmählich sesshaft und siedelten schliesslich in der Fars. In Chroniken des assyrischen Königs Salmanassar werden diese Einwanderer als Volk der Parsua (Perser) bezeichnet. Sie brachten neue Sitten und Gebräuche ins Land und veränderten dadurch das gesamte Sozialgefüge der angestammten Bevölkerung. Zeitgleich gründeten in Ostanatolien und Westazarbaidschan die Urartäer ein mächtiges Reich, und in assyrischen Quellen aus dem 9. Jahrhundert  werden erstmals die Meder, indoiranische Stämme, erwähnt, die jenseits des Zagros Siedlungen gegründet hatten und deren Reich bis an die Grenze Mesopotamiens reichte.  

Um 600 v. Chr. vereinigte Hachämanisch (griech. Achaimenes) einige persische Stämme unter seiner Führung, die sich in der Region um Pasargadae niederliessen. Über Hachämanisch ist wenig bekannt, in der historischen Forschung wird er mitunter sogar als mythische Gestalt betrachtet. Unter seinen Nachfolgern, die sich nach der griechischen Form seines Namens Achämeniden nannten, stieg  Persien zur Weltmacht auf. Der  Urenkel des Hachämanisch, Kyros II. (der Grosse), eroberte Mesopotamien und Kleinasien, dessen Sohn Kambyses II. eroberte Ägypten und Palästina. Unter Darius I. (der Grosse) erreichte das persische Reich seine grösste Ausdehnung und erlebte eine nie wieder erreichte Blütezeit. Unter Darius I. und seinem Sohn und Nachfolger Xerxes I.  wurde  die Residenz Persepolis  erbaut. Darius I. war es auch, der die „Erfindung“ einer eigenen persischen Schrift, das Altpersische, „verordnete“ – vor Darius I. wurden Texte auf Elamisch verfasst.

Die Entzifferung des Altpersischen gelang zwar erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, aber wesentliche Vorarbeiten dazu leistete G.F. Grotefeld in Göttingen an Hand einer Felsinschrift bei Bisotun, einem Dorf in der Nähe von Kermanshah. Dort hatte  Darius an einem steilen Felsrücken ein Relief anbringen lassen, das  seinen Sieg über den Magier Gaumata und die „Lügenkönige“, die dem Magier Gefolgschaft geleistet hatten, darstellt.  Gaumata hatte die Macht an sich gerissen, nachdem Kambyses auf seinem Feldzug nach Ägypten gestorben war. Darius, ein Gefolgsmann des Kambyses, war nach Persien zurückgekehrt, hatte Gaumata vertrieben und selbst den Thron bestiegen. Auf dem Relief ist  dargestellt, wie Darius seinen Fuss  auf die Brust des am Boden liegenden Gaumata setzt. Vor Darius befinden sich die gefesselten Lügenkönige, hinter Darius stehen zwei Würdenträger und über allen schwebt Ahura Mazda. Dem Relief ist ein dreisprachiger Text – auf Elamisch, Altpersisch und Neubabylonisch – hinzugefügt. Korrekturen am Relief lassen erkennen, wie in mehreren Phasen die Inschrift verändert beziehungsweise erweitert und ergänzt wurde. In der ersten Phase liess Darius über sich einen Text auf Elamisch anbringen: „Ich bin zurzeit König in Persien…“. In der zweiten Phase wollte er die Ereignisse präzisieren, immer noch auf Elamisch: rechts von den Lügenkönigen wurde ein Text angebracht, der die Situation beschreibt, ausserdem wurden über den Köpfen der Lügenkönige deren Namen eingraviert. In der dritten Phase liess Darius links von den Würdenträgern den gleichen Text auf Neubabylonisch einritzen. Und schliesslich in der vierten Phase wollte Darius den Text in einer eigenen Schrift anbringen lassen, und ordnete die „Erfindung“ einer Schrift für das Persische an. „Sachverständige“ erfanden das Altpersische: eine relativ vereinfachte Keilschrift, nur noch 32 Zeichen anstelle der bisherigen 600 werden verwendet und erstmals wird auch mit Worttrennern gearbeitet. Unter dem Relief liess Darius nun den ganzen Text  auf Altpersisch  anbringen und die Bemerkung hinzufügen: „… die Inschrift ist geschrieben in der Schrift, die ich erfunden habe, Persisch, …“. Auf dem Relief musste die bereits bestehende elamische Textpassage aus Platzgründen versetzt werden. Sie wurde „ausradiert“ und nochmals links neben der persischen Inschrift eingefügt.  1802 gelang dem Hilfslehrer Friedrich Georg Grotefend in Göttingen die Entzifferung der ersten 17 Zeichen. Grotefend war dabei ähnlich wie Champollion bei der Entzifferung der Hieroglyphen vorgegangen – er hatte das Altpersische mit einer griechischen Inschrift aus Persepolis verglichen.

Mit dem Siegeszug Alexander des Grossen und der Zerstörung von Persepolis setzte der Niedergang des persischen Weltreiches ein. Nach dem Tod Alexander des Grossen rangen dessen Nachfolger, die Diadochen, um die Macht in dem riesigen Reich. Der griechische General Seleukos I. Nikator übernahm alle Gebiete Vorderasiens und begründete die Dynastie der Seleukiden, die bis ca. 250 v. Chr. Bestand hatte. Auf die Seleukiden folgte die Parther, halbnomadische Reiterstämme, die ursprünglich am kaspischen Meer beheimatet waren und auf ihren Wanderungsbewegungen zunächst Parthava erobert hatten – daher der Name Parther. Auf sie folgten die Sassaniden, deren Stammvater Sassan glaubte, ein Nachfolger Darius‘ III. zu sein und deshalb einen legitimen Anspruch auf die Königswürde zu haben. Unter den Sassaniden erlebte Persien nochmals eine grosse kunst- und kulturgeschichtliche Blütezeit, u.v. wurde das heilige Buch der Zoroastrier, das Avesta, verfasst.

Als der Siegeszug des Islam einsetzte, nahm die persische Bevölkerung den neuen Glauben mit Begeisterung an. In den Auseinandersetzungen um die Nachfolge Mohammeds und um das Kalifat setzten sich die Umayyaden, Angehörige einer Familie aus Quraisch, der auch Mohammed entstammte, durch und  etablierten sich in Damaskus. Da die Umayyaden mit eiserner Hand regierten, sich aber immer mehr von den Glaubensvorschriften des Islam entfernten, wurden sie von der Bevölkerung gestürzt. Neuer Kalif wurde Abu al-Abbas, ein Nachkomme Mohammeds. Er verlegte das Kalifat nach Bagdad und begründete die Abbasiden-Dynastie, deren berühmtester Abkömmling Harun al-Raschid wurde. Aber auch die Abbasiden wandten sich von den islamischen Glaubensgrundsätzen ab und wurden ebenfalls gestürzt. In der Folgezeit entstanden selbständige lokale Dynastien, und die Bevölkerung gehörte, sofern sie sich zum  Islam bekannte, entweder der schiitischen oder der sunnitischen Glaubensrichtung an.

Im 11. Jahrhundert eroberten die Seldschuken unter der Führung von Toghrol Beg Persien. Die Seldschuken waren ein Volk, das ursprünglich in der heutigen Kasachensteppe beheimatet war. Unter Malik Shah (1072-1092) erreichten sie den Höhepunkt ihrer Macht. Mit dem Einfall der Mongolen unter Führung von Chingis Khan, später unter dessen Nachfolger Hulagu, im 11. Jahrhundert fand das Seldschuken-Reich sein Ende, und für Persien begann eine schlimme Zeit. Die von Mordlust und Zerstörungswut besessenen Mongolen töteten, brandschatzten, plünderten – wo sie auch hinkamen, hinterliessen sie ein verwüstetes Land. In den eroberten Gebieten errichteten sie das mongolische Ilkhanidenreich, das bis zum Jahre 1335 bestand. Dieses Reich fand ein Ende, als ein neuer Feind Persien bedrohte – unter der Führung von Timur Lenk fiel  ein aus dem Norden kommendes Volk in Persien ein und richtete wiederum furchtbare Verwüstungen an. Timur Lenk begründete die Dynastie der Timuriden, deren Residenz in Samarkand war. Nach seinem Tod (1405) zerfiel das Reich in mehrere Kleinstaaten.

Im 16. Jahrhundert etablierte sich in Persien eine neue Dynastie, die Safawiden,  Abkömmlinge eines zum schiitischen Glauben konvertierten Derwischs und Gründer eines Sufi-Ordens.  1501 bestieg Ismail I. den persischen Thron. Er erklärte das Schiitentum zur Staatsreligion, die es bis heute  geblieben ist. In kurzer Zeit gelang es ihm, die Grenzen des persischen Reiches  fast in der Grösse des ehemaligen Sassaniden-Reiches wieder herzustellen. Der bedeutendste Herrscher der Safawiden war Abbas I. (1588-1629). Er förderte Kunst und Wissenschaft, pflegte weitreichende Handelsbeziehungen und liess an den Karawanenstrassen zahlreiche Karawansereien errichten. Er machte Isfahan zu seiner Residenz  und liess die Stadt prachtvoll ausbauen.  Unter seinen Nachfolgern setzte der Niedergang des Safawiden-Reiches ein, das mit der Machtübernahme durch General Nadir 1736 ein Ende fand.

General Nadir liess sich in Mashhad als Nadir Shah krönen und begründete damit die Dynastie der Afsharen. Als grausamer und despotischer Herrscher machte er sich verhasst und fiel schliesslich einem Mordanschlag zum Opfer. 1750 kam Karim Khan aus dem Stamme der Zand an die Macht und begründete die Zand-Dynastie. Er wählte Schiraz zu seiner Residenz, liess sich aber nie zum Shah krönen.

Um die Macht im persischen Staat zu erlangen, liess der turkmenische Stammesfürst Agha Mohammad Khan den letzten Herrscher der Zand-Dynastie von Gefolgsleuten ermorden und sich selbst 1795 in Teheran zum Shah krönen. Er war der erste Herrscher der Qadjaren-Dynastie und herrschte mit äusserster Brutalität und Grausamkeit. Auch er fiel einem Anschlag zum Opfer – sein Leibdiener ermordete ihn. Sein Nachfolger Fath Ali Shah war politisch wenig interessiert und kümmerte sich kaum um die Staatsgeschäfte.  Unter dessen Nachfolgern Mohammad Shah und Nasir al-din Shah verlor Persien zusehends an Macht und Selbständigkeit, da  sich Briten und Russen in die politischen Querelen, denen Persien ausgesetzt war, einmischten. Mehrere Kriege mit Russland führten zum Verlust grosser Gebiete sowie zur wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von Russland, ausserdem wurde die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Kolonialmacht Grossbritannien immer stärker. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wuchs, es kam zu Aufständen und der Shah musste ins russische Exil fliehen.

Der letzte Qadjaren-Herrscher war Ahmad Shah, der im Alter von  12 Jahren den Thron bestiegen hatte und über keinerlei politische Autorität verfügte. Die aussen- wie innenpolitische Lage Persiens war verworren, die Zustände im Land katastrophal. Diese Situation nutzte Reza Khan, um sich an die Macht zu putschen. Er entstammte einer einfachen Bauernfamilie, hatte aber schon in jungen Jahren eine erfolgreiche Militärkarriere absolviert. Als Ahmad Shah vorübergehend im Ausland weilte, stürzte ihn Reza Khan vom Thron und liess sich selbst 1926 als Reza Khan in Teheran zum Shah krönen. Er gab sich den Beinamen Pahlavi. Unmittelbar nach seiner Krönung leitete er nach dem Vorbild Kemal Atatürks, den er sehr bewunderte, einen radikalen Modernisierungsprozess nach westlichem Muster ein. Da Reza Khan ein besonders gutes Verhältnis zum Deutschen Reich pflegte und auch seine Sympathien für das Dritte Reich nicht verhehlen konnte, zwangen ihn Russen und Briten, zugunsten seines Sohnes Mohammad Reza Pahlavi 1941 abzudanken. Dieser regierte bis 1979. Er setzte den von seinem Vater begonnenen Modernierungsprozess fort und orientierte sich vollkommen am westlichen Lebensstil, den er als Grundlage für das   iranische  Staatsgefüge für erstrebenswert hielt. Dabei zeigte er wenig Verständnis für die sozialen und religiösen Bedürfnisse der Bevölkerung.

Als Ayatollah Khomeyni, der bereits 1963  in einer Rede in der Hochschule von Qom zum Widerstand gegen den Shah aufgerufen hatte, 1978 in einem Zeitungsartikel verhöhnt wurde, kam es zu Unruhen und grossen Demonstrationen. Der Shah liess den Ausnahmezustand ausrufen  und die Demonstranten mit Militärgewalt niederknüppeln, wobei zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Daraufhin wurde der Shah gezwungen, das Land zu verlassen. Ayatollah Khomeyni, der bis anhin im Exil leben musste, kam in den Iran zurück, und liess die Islamische Republik ausrufen.