Abu Simbel – Der Tempel im Spiegel von Reiseberichten, Tagebüchern etc.

Abu Simbel – Der Tempel im Spiegel von Reiseberichten, Tagebüchern etc.

Die Tempelanlage von Abu Simbel übte seit ihrer Wiederentdeckung durch Johann Ludwig Burckhardt auf Forschungsreisende, Maler, Dichter und ganz normale Touristen eine ausserordentliche Faszination aus. Stellvertretend für viele, die ihre Eindrücke in Briefen, Tagebüchern und Reisebeschreibungen festhielten, sollen abschliessend einige Bemerkungen zitiert werden:

Johann Ludwig Burckhardt notiert in seinem Reisetagebuch über seine Entdeckung  am 22. März 1813:

„Als ich mich glücklicherweise weiter hin nach Süden umsah, fiel mir das, was noch von vier ungeheuren Kolossalstatuen, die aus dem Fels gehauen sind, sichtbar ist, in einer Entfernung von ungefähr 200 Schritt vom Tempel in die Augen. Sie stehen in einer tiefen Öffnung, die man in den Berg geschlagen hat, allein, es ist ehr zu bedauern, dass sie fast ganz vom Sand begraben sind, welcher hier in Strömen herabweht. Der ganze Kopf sowie ein Teil der Brust und der Arme einer der Statuen ragen noch über die Oberfläche heraus, von der zunächst stehenden ist kaum noch irgend etwas sichtbar, da der Kopf abgebrochen und der Leib bis über die Schultern mit Sand bedeckt ist, von den beiden anderen sind nur noch die Mützen sichtbar. Es lässt sich schwer ausmachen, ob diese Statuen sich in sitzender oder stehender Stellung befinden, ihr Rücken ist mit dem Teil des Felsens, der von dem Hauptfels vorspringt, verbunden. Die Gesichter sind nicht nach dem Fluss gerichtet, wie jene an dem eben beschriebenen Tempel, sondern blicken nach Norden, zu den fruchtbaren Gefilden Ägyptens, so dass die Linie, auf welcher sie stehen, mit dem Laufe des Stroms einen Winkel bildet. Der Kopf, welcher noch aus der Oberfläche des Sandes hervorragt, hat ein höchst ausdrucksvolles, jugendliches Ansehen, das sich mehr dem griechischen Schönheitsideal nähert als irgendeine alte ägyptische Figur, die mir zu Gesicht gekommen ist; hätte er nicht einen dünnen länglichen Bart, so könnte man ihn recht gut für einen Pallaskopf ansehen. Diese Statue trägt die hohe Mütze, die Arme sind voller Hieroglyphen, die tief in Sandstein gehauen und vortrefflich ausgeführt sind. … An der Wand des Felsens, in der Mitte der vier Statuen, befindet sich die Figur des falkenköpfigen Osiris mit einer Erdkugel auf dem Kopf. Unterhalb derselben könnte, wie ich glaube, der Sand weggeschafft werden, man würde alsdann einen grossen Tempel entdecken, dessen Eingang wahrscheinlich die Kolossalfiguren ebenso zur Verzierung dienen, wie die sechs, welche zu dem benachbarten Isistempel gehören. Aus der Gegenwart des falkenköpfigen Osiris glaube ich auch annehmen zu dürfen, dass dieser Tempel dem Osiris geweiht ist. … Wenn ich nach den Gesichtszügen der über dem Sande sichtbaren Kolossalstatuen urteilen darf, so gehören diese Werke dem schönsten Zeitpunkt der ägyptischen Bildhauereikunst an …“.

Giovanni Battista Belzoni arbeitete im Auftrag des britischen Generalkonsuls in Ägypten, Henry Salt, und schreibt in „Entdeckungsreisen in Ägypten 1815-1819“:

„Wir erweiterten den Durchgang und betraten kurz darauf die schönste und grösste Tempelanlage in Nubien, die je ausgegraben wurde – eine Anlage, die sich mit jeder ägyptischen messen kann, mit Ausnahme vielleicht der neu entdeckten Grabanlagen im Biban el-Moluk. Schon auf den ersten Blick wurde deutlich, dass es sich um eine weitläufige Anlage handelte; unser Erstaunen wuchs, als wir feststellten, dass hier eine der prächtigsten Tempel stand, üppig geschmückt mit wunderbaren Intarsien, Malereien, Kolossalstatuen etc.. Zuerst betraten wir eine grosse Vorhalle. … Sie [die dargestellten Themen] stellen Schlachten, die Eroberung von Palästen und Schlössern, Sieg über die Äthiopier etc. dar. An einigen Stellen findet man denselben Helden wie in Medinet Habu, jedoch ist seine Körperhaltung eine andere. Einige der Farben sind stark verblasst; wahrscheinlich ist das auf die stickige Luft zurückzuführen. Es war so heiss, dass das Thermometer auf über 130° Fahrenheit anstieg.“

Hermann Fürst von Pückler-Muskau:

„Mit Champollions Tafel in der Hand ist es jetzt jedem leicht geworden, der sich die Mühe der Vergleichung geben wird, die meisten dieser Ringe zu erkennen, frühere Reisende hatten es nicht so bequem. … Die Frische der Farben ist von seltener Erhaltung. … Seit Burckhardt diese erhabensten aller Felstempel in Afrika aufgefunden und Belzoni mit unermüdlicher Geduld sie geöffnet …, setzen die beharrlichsten der Touristen ihre ägyptische Expedition häufig bis hierher und auch wohl bis zu den nicht mehr weit entfernten Katarakten von Oudi Halfa fort …, Ypsambul ist daher schon ebenso häufig mit dem Crayon gezeichnet als mit der Feder beschrieben worden; doch wird beides immer weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben.“

Walter Wreszinski

„Der erste Eindruck aus der Ferne ist nicht überwältigend. Die stark geteilte Fassade des Kleinen Tempels macht überhaupt keinen Eindruck, aber auch die Riesenfiguren des grösseren erscheinen in dem gleichmässigen Verlauf der sich als unendliches Band erstreckenden Bergwand als eine etwas kleinliche Unterbrechung; erst durch erhebliche Verengung des Blickfeldes, wenn der Beschauer sich auf etwa 150 m dem Tempelplatz genähert hat, geht ihm die Grösse und Wucht des Fassade auf. Dann aber erhöht sich der Zauber in jeder Stunde. Die wechselnde Beleuchtung verleiht den Kolossen einen immer neuen Ausdruck und erfüllt sie dadurch mit starkem eigenem Leben. „

Gustave Flaubert: Reise in den Orient

„Im Hintergrund drei Kolosse im Schatten wahrgenommen. Am Boden liegend, schien es mir aufgrund meines Wimpernzuckens, als habe der erste Koloss rechts seine Wimpern bewegt. Schöne Köpfe, hässliche Füsse …. Überlegung: die ägyptischen Tempel gehen mir furchtbar auf die Nerven. Wird das ebenso sein wie mit den Kirchen in der Bretagne, den Wasserfällen in den Pyrenäen? Immer diese Notwendigkeit!“.

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