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Die Stele Thutmosis' III. beim Gebel
Barkal
Edition, Transkription und Übersetzung auf der Grundlage der Ausgabe von
Kurt Sethe: Urkunden der 18. Dynastie, Bd. 2: Historisch-biographische
Urkunden,
Heft 4, S. 1227-1243
Thutmosis III. war der sechste König der 18. Dynastie und regierte
von 1467/1445-1413 bzw. 1479/1467-1425 v. Chr. Nach dem Tod seines
Vaters, Thutmosis II., hatte Thutmosis III. zwar formell den Thron
bestiegen, aber da er zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind war, hatte
zunächst die Gemahlin Thutmosis' II., Hatschepsut, die Regentschaft für
den unmündigen Thutmosis übernommen, aber bald danach für sich selbst
die Königswürde beansprucht und Thutmosis III. zurückgedrängt. Während
der ersten 22 Jahre seiner Regierungszeit war dieser nur Mitregent von
Hatschepsut gewesen und erst nach deren Tod an die Macht gelangt. Er
selbst datiert die Dauer seiner Regierungszeit allerdings ab dem
Zeitpunkt seiner Thronbesteigung. Die Zeit seiner Alleinherrschaft war
von zahlreichen Kriegen geprägt, allein in den ersten zwanzig Jahren
führte er nahezu jährlich Feldzüge in Vorderasien. Es gelang ihm, die
Grenzen Ägyptens im Norden bis zum Euphrat und im Süden bis zum 4.
Katarakt auszudehnen. Im Jahr 33 seiner Regierungszeit (ca. 1457 v.
Chr.) unternahm er einen Feldzug gegen das zwischen Euphrat und Tigris
gelegene Reich von Mitanni, den R. Faulkner als den "Höhepunkt von
Thutmosis' III. militärischer Karriere" bezeichnet. Eine wichtige Quelle
in Bezug auf den Verlauf dieses Feldzuges und den damit verbundenen
Ereignissen bzw. deren politische Folgen ist eine Stele, die Thutmosis
III. in seinem 47. Regierungsjahr auf dem Gebel Barkal nahe beim 4.
Katarakt aufstellen liess. Im Text, in welchem der König von sich
selbst in der ersten und dritten Person spricht, wird der Transport von
Kriegsmaterial, die Überquerung des Euphrat, die Belagerung und Einnahme
von Megiddo, ein "Sternenwunder" sowie eine Elefantenjagd bei Nija
beschrieben, wo Thutmosis eine Herde von 120 Tieren jagte, ein Ereignis,
das auch der Offizier Amenemhab in seiner Autobiographie erwähnt.
Die Stele war bei Ausgrabungen im ersten Hof des grossen
Amun-Tempels am Gebel Barkal gefunden worden, wo sie, von Schutt
bedeckt, an eine Säule gelehnt war. Beim Gebel Barkal, dem Heiligen
Berg, war im Laufe der Zeit ein riesiger Tempelbezirk entstanden,
dessen ältester Tempel in die Zeit der 18. Dynastie datiert wird. G.A.
Reisner vermutet, dass ein Teil des Tempels, in dessen Hof die Stele
gefunden wurde, von Taharka abgerissen und wieder überbaut worden war,
und dass auch dieser Pharao die Stele dort hatte aufstellen lassen, wo
sie bei Ausgrabungen gefunden wurde. Der ursprüngliche Aufstellungsort
befand sich mit Sicherheit nicht im Tempelbereich, sondern im freien
Gelände beim Gebel Barkal.
Die Stele ist aus grauem Granit, 173 cm hoch und 97 cm breit, die
Inschrift umfasst 50 Kolumnen. Im Giebel der Stele befindet sich das
Bild der geflügelten Sonnenscheibe, rechts und links davon ist der Name
des Horus Behedtj eingeschrieben. Im Zentrum unter der Sonnenscheibe
befindet sich eine Kolumne mit einer fast gänzlich zerstörten Inschrift,
rechts und links daneben sind zwei Opferszenen dargestellt, in welchen
Thutmosis III. vor Amun eine Wasserspende (rechts) und ein Weinopfer
(links) vollzieht. Die beiden Bilder des Amun sind jedoch vollständig
ausgehackt, Zerstörungen, die im Zuge der Amun-Verfolgung während der
Amarna-Zeit erfolgten. Sichtbar sind nur noch die beiden wзs-Szepter,
die Amun in den Händen hielt. Thutmosis III. trägt den blauen Kriegshelm
und den Königsschurz.
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